Neue Hände für die Energiewende – Sommercamp bildet PV-Hilfskräfte aus

Neue Hände für die Energiewende – Sommercamp bildet PV-Hilfskräfte aus

Am Ufer der Fulda haben die Waschbären zurzeit alle Pfoten voll zu tun. Nacht für Nacht gilt es die Reißverschlüsse der Zelte zu checken und rauszufinden, ob sich im Inneren neben schlafenden jungen Menschen auch etwas Essbares befindet. Aber Spaß beiseite. Die Teilnehmenden des SolarCamps sind nicht für Begegnungen mit der Kasseler Tierwelt hier, sondern um Schwung in die Energiewende zu bringen. Im Interview verraten die Mit-Organisator*innen Arvid Jasper, Kerstin Lopau und Angélica Gamarra was hinter dieser Aktion und SoLocal steckt.

Was genau ist eigentlich ein SolarCamp?

Arvid Jasper: Seit Montag lernen 25 junge Menschen beim SolarCamp Kassel von zehn Handwerker*innen die Grundzüge des Solar-Handwerks. Mit dem intensiven Training zur Photovoltaik-Hilfskraft werden sie motiviert, sich weiter Richtung Klimahandwerk zu orientieren. Während der zwei Wochen im Camp und bei den Kurzpraktika bei regionalen Betrieben lernen die Teilnehmenden die fachlichen und praktischen Basics, um motiviert per Nebenjob, Ausbildung & Co. ins Klimahandwerk einzusteigen. Viele der Teilnehmenden sind aktuell in Orientierungsphasen für ihren kommenden Lebensabschnitt. Andere planen bereits in Anschluss an ihr Studium eine Selbständigkeit in der Photovoltaik-Branche. In Kassel könnte es also in Zukunft mehr Photovoltaik-Fachkräfte geben.

 

Woher kommt die Idee zu SoLocal Energy?

Arvid Jasper: In allen Energiewendeberufen fehlen die Fachkräfte. Dabei sind die Klimawende und die Abkehr von allen fossilen Energieträgern eine der drängendsten Aufgaben unserer Gesellschaft. Viele Menschen haben daher eine große Motivation, selbst beim Herkulesprojekt Energiewende anzupacken. Mit unserem gemeinnützigen Photovoltaik-Kollektiv unterstützen wir hier in Kassel die Menschen dabei, sich möglichst selbständig Photovoltaik-Anlagen auf den Balkon, die Garage oder das Dach zu schrauben. Noch besser ist es, wenn wir in der Nachbarschaft zusammenkommen und solche Projekte gemeinsam angehen. So können immer mehr Menschen Erfahrung im Klimahandwerk sammeln. Auch die gegenseitige Unterstützung und Stärkung von sozialen Bindungen im Umfeld sind zentral für die Bewältigung der Klimakrise – das stärken wir mit Nachbarschaftskreisen für die Klimawende in verschiedenen Kasseler Stadtteilen.

Frauen befähigen im Klimahandwerk zu arbeiten

Wer steckt hinter SoLocal – aus welchen Lebens- und Arbeitswelten kommen die Mitglieder?

Angélica Gamarra: Mittlerweile besteht unser Kollektiv aus sieben Mitgliedern alle um die 30 Jahre, die hauptamtlich bei SoLocal Energy arbeiten. Uns ist wichtig, insbesondere für Frauen* ein angenehmes Arbeitsklima im Handwerk zu schaffen. Bislang sind nur gut 2% der Solarteur*innen in Deutschland Frauen. Wohl auch, weil in vielen Betrieben verkrustete männliche Traditionen vorherrschen. Dem wollen wir neue Impulse entgegensetzen und in regelmäßigen Veranstaltungen mehr Frauen* Wege ins Klimahandwerk aufzeigen.
Während ich als Elektroingenieurin die Selbstbau-Projekte betreue, fokussieren sich andere in unserem Kollektiv auf Bildungsarbeit von KiTas über Berufsorientierung in Abschlussklassen bis hin zu bundesweiten Klimakommunikations-Workshops. Bei alldem unterstützen uns die über 40 Vereinsmitglieder. Gut ein Dutzend Ehrenamtliche gestalten unsere Vereinsarbeit mit. Die von uns mit aus der Taufe gehobene Wattbewerb-Gruppe organisiert Solarspaziergänge und politische Beschlüsse für mehr Photovoltaik in unserer Stadt.

 

SoLocal Energy kümmert sich um mehr Solarstrom aber auch ums Gemeinwohl. Wie geht das?

Kerstin Lopau: Einerseits wollen wir möglichst vielen Menschen ermöglichen, weg von der Abhängigkeit von Kohle, Öl und Gas zu kommen. Andererseits sehen wir, dass die Profitorientierung der klassischen Unternehmen immer mehr Ressourcen- und Energieverbrauch mit sich bringt. Als wir 2020 noch zu dritt SoLocal Energy gegründet haben, haben wir uns daher klar am Gemeinwohl orientiert. Dafür gehen wir auch in der Mobilitätswende neue Wege: mit unserem Schwerlastenrad fahren wir bei all unseren Balkonkraftwerks-Installationen mühelos die 200kg an Werkzeug & Material quer durch die Stadt. Immer wieder führen wir so begeisterte Gespräche über die vielfältigen Möglichkeiten für eine Lebensweise ohne fossile Energie. Auch mit unseren solidarischen Preismodellen und gemeinschaftlichen Bietrunden für Dachanlagen zeigen wir: Wirtschaften kann anders und mehr gemeinschaftsgetragen gehen.

Mikro-PV-Anlagen für 250 Haushalte – Nachfrage steigend

Wie viele Dächer habt ihr schon mit Solarmodulen ausgestattet?

Angélica Gamarra: Schon über 3.000 Menschen haben unsere Veranstaltungen besucht, ob zu Photovoltaik, Klimakommunikation oder Klimahandwerks-Berufsorientierung. Mit zahlreichen Freiwilligen haben wir große Anlagen wie auf dem Kulturzentrum Sandershaus, aber auch gut ein Dutzend Einfamilienhaus-Anlagen in Selbstbaugemeinschaften umgesetzt. Mittlerweile unterstützen wir auch zunehmend Selbstbau-Interessierte, für die wir Ihre eigene Planung gegenchecken und das passende Material bestellen. In Kürze werden wir solche Anlagen anschließend auch selbst offiziell in Betrieb nehmen können.
Bis heute haben wir rund 250 Haushalte bei Mikro-Photovoltaik-Anlagen wie am Balkon oder auf dem Schuppen beraten und teils auch installiert. Nach einigen Gesprächen zu Vereinfachungen für Mikro-Photovoltaik zahlen nun die Städtischen Werke Kassel selbst bei Mikro-Photovoltaik-Anlagen EEG-Vergütung. Nun widmen wir uns den Kasseler Wohnungsbaugesellschaften, um sie zu mehr Photovoltaik und der möglichst unkomplizierten Genehmigung von Balkonkraftwerken zu bringen.

 

Wie können andere Städte so ein großartiges Projekt ebenfalls umsetzen?

Kerstin Lopau: Bundesweit gibt es bereits ein gutes Dutzend weiterer Solarselbstbau-Initiativen. Insbesondere mit dem Bremer Solidarstrom und Hamburg SoliSolar stehen wir im engen Austausch. Und immer wieder kommen Interessierte aus anderen Städten zu einer unserer Mitmach-Baustellen dazu. Im Frühjahr haben wir gemeinsam mit dem Bremer Solidarstrom unser Handbuch Gemeinschaftlicher Solarselbstbau veröffentlicht. Einmal im Quartal geben wir Infoveranstaltungen dazu. Wir sind aktuell noch auf der Suche nach einer Fördermöglichkeit für eine intensivere Begleitung neuer Initiativen. Das Wichtigste für den erfolgreichen Start eines Photovoltaik-Kollektivs oder einer Selbstbau-Gruppe ist ein motiviertes Team mit verschiedenen Kompetenzen und einer gemeinsamen Zielsetzung.

 

Vielen Dank Angélica, Kerstin und Arvid für das Interview. 

Wir wünschen dieser tollen Aktion auch weiter noch ganz viel Erfolg und hoffen auf noch viele SolarCamps in ganz Deutschland und weltweit. Es hat uns viel Spaß gemacht, euch ein paar Basics der Photovoltaik und insbesondere der Wechselrichter zu zeigen.

 

Hier Impressionen der Teilnehmenden bei ihrem Besuch bei SMA und im Camp an der Fulda:

 

3 Kommentare
    • Christiane Keim
      Christiane Keim sagte:

      Hallo Herr Schmitt,

      um eine Serviceanfrage ohne Wartezeit zu stellen, nutzen Sie bitte unser SMA Online Service Center.
      Hier können Sie alle relevanten Anlagendaten eingeben und damit die Bearbeitung Ihrer Anfrage unterstützen.
      Aufgrund der Vielzahl an Anfragen kommt es derzeit leider zu Wartezeiten – dafür bitten wir Sie um Verständnis.

      Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

      Beste Grüße
      C. Keim

      Antworten

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