SMA trennt sich vom Wechselrichter Windy Boy

This post was originally published in 2013. The tips and techniques explained may be outdated.

Windy Boy Eigg Island

Zum Jahresende 2013 zieht sich SMA aus dem Bereich Kleinwindenergie zurück. Die Wechselrichter Windy Boy werden dann nicht mehr weiter produziert. Wir haben mit Volker Wachenfeld, Executive Vice President in der Division Hybrid Energy Solutions, über die Gründe und neue Zukunftsmärkte gesprochen.

Volker Wachenfeld spricht im Interview über die Beweggründe, weshalb der Windy Boy aus dem Produktportfolio genommen wurde

Volker Wachenfeld spricht im Interview über die Beweggründe, weshalb der Windy Boy aus dem Produktportfolio genommen wurde

 

Volker, was sind die Gründe für den Rückzug aus dem Bereich der Kleinwindenergie?

Volker: Die Änderung der politischen Rahmenbedingungen haben in wichtigen Absatzmärkten leider zu einem Zusammenbruch des Markts für Kleinwindenergie geführt. In Großbritannien etwa hat die Regierung die Förderung in den für Haushalte üblichen Windkraftanlagengrößen unter 1,5 Kilowatt (kW) beispielsweise so drastisch gekürzt, dass sie sich für den Kunden einfach nicht mehr rechnen. Und in Dänemark wurde das Fördermodell so modifiziert, dass der Betrieb von Kleinwindrädern faktisch überhaupt nicht mehr attraktiv ist. Seit 2010 geht der Trend klar nach unten. Deshalb haben wir den Entschluss gefasst, dieses Geschäftsfeld nicht weiter zu verfolgen und die Produkte Windy Boy, Windy Tripower und Windy Boy Protection Box abzukündigen.

 

Der Wechselrichter für Kleinwindenergieanlagen, der Windy Boy, ist ja eines der ersten SMA Produkte. Tut es nicht auch ein bisschen weh, sich davon zu trennen?

Das war keine leichte Entscheidung. Gerade als Ingenieur trifft mich der Rückzug aus diesem systemtechnisch sehr interessanten Thema umso mehr. Denn es macht großen Spaß, die Windenergieanlagen an die standortspezifischen Windbedingungen anzupassen. Letztendlich müssen aber auch solche Märkte für ein Unternehmen attraktive Zukunftsaussichten bieten. Gerade in so schwierigen Zeiten, wie sie die Solarindustrie gerade durchlebt, ist es nur konsequent, dass wir uns auf wichtige Zukunftsthemen konzentrieren. Und das bedeutet eben auch, dass wir uns von weniger vielversprechenden Geschäftsfeldern ebenso konsequent trennen müssen.

 

Was bedeutet das für Projekte, die bereits mit Windy Boy geplant sind? Die Genehmigungsverfahren und Zertifizierungen für Windenergieanlagen können ja je nach Standort sehr lange dauern.

Deshalb haben wir unsere Kunden so früh wie möglich informiert und kündigen die Produkte stufenweise bis Ende des Jahres ab. So ermöglichen wir es unseren Kunden, sich gegebenenfalls einen entsprechenden Vorrat an Wechselrichtern und der entsprechenden Systemtechnik anzulegen. Und wir werden natürlich auch weiterhin mit entsprechenden Serviceleistungen unterstützen.

 

Die Kunden sind ja bereits informiert. Wie waren die Reaktionen?

Selbstverständlich waren die Kunden nicht begeistert. Schließlich haben wir als einziger Anbieter auf diesem fragilen Markt Produkte aus der Großserienproduktion der PV-Technik auf die spezifischen Anforderungen der Kleinwindenergieanlagen zugeschnitten. Die Qualität, die wir da angeboten haben, war für ein solches Marktsegment sicher überdurchschnittlich. Andererseits haben wir diesen Markt auch als zunehmend fragmentierter empfunden – immer mehr kleinerer Hersteller bieten sehr spezielle Anlagen an, auf die sich ein Wechselrichter-Hersteller einstellen muss. Auch wenn das Marktvolumen im für uns interessanten Segment in den letzten Jahren eher eine negative Tendenz aufzeigt, ist doch ein Trend zu vielfältigeren Anlagenanbietern feststellbar. Und die können auch in einem kleineren Markt erfolgreich agieren, während einige der größeren Anlagenherstellern ihr Engagement zurückgefahren haben. Gerade ein solches Umfeld begünstigt in aller Regel hochspezialisierte Elektronik-Start-ups, die diese sehr speziellen Kundenanforderungen an die Wechselrichter deutlich besser erfüllen können als Großserienhersteller wie wir.

 

Du hast wichtige Zukunftsthemen angesprochen. Welche Themen hat SMA da auf der Agenda?

Ein ganz großes Thema heißt Energiemanagement. Um die Energiewende zu schaffen, brauchen wir intelligente Lösungen, die dabei helfen, regenerative Energien am besten an Ort und Stelle zu nutzen. Für den nationalen Markt hier in Deutschland entwickeln wir Systemlösungen zur Eigenverbrauchsoptimierung. Das Ziel ist es, dass Betreiber von Photovoltaikanlagen den größtmöglichen Anteil der Solarenergie vom eigenen Dach selbst nutzen. Sie machen sich so unabhängiger von steigen Strombezugskosten. Und international sehen wir ein großes Potenzial im Bereich industrielle Photovoltaik-Diesel-Hybridsysteme. Damit ist die Ergänzung von Photovoltaik in bestehende Dieselsystem gemeint. Damit sparen die Betreiber industrieller Großanlagen Dieselkosten ein und reduzieren den CO2-Ausstoß.

 

Wie passen denn Photovoltaik und Diesel zusammen?

Sie ergänzen sich wunderbar. Die Sonnenenergie sorgt dafür, dass die Dieselleistung reduziert werden kann. Das Thema ist übrigens für SMA gar nicht so neu. Die meisten klassischen PV-Systeme zur ländlichen Elektrifizierung haben einen Dieselgenerator integriert, der die Energieversorgung in sonnenarmen Zeiten übernimmt. Für große Industrieanalgen kehren sich nur die Verhältnisse um. Nicht der Diesel ergänzt die PV, sondern die PV ergänzt den Diesel. Hier vereinen sich unsere Kernkompetenzen im Bereich netzferne Elektrifizierung und PV-Großanlage. Steigende Dieselpreise und gleichzeitig sinkende Preise für PV-Systemtechnik machen diese Entwicklung für industrielle Großverbraucher in netzfernen, aber sonnenreichen Regionen schon heute zu einer wirtschaftlichen Alternative. Eine erste Anlage wurde Ende 2012 in Thabazimbi in Südafrika installiert. Seitdem sind wir in Sachen PV-Diesel-Hybrid weltweit in Südafrika, Australien und Indien unterwegs. Zwei weitere Projekte sind bereits verkauft. Von weltweit etwa 500 Gigawatt installierter Dieselgeneratorleistung sehen wir ein Potenzial von etwa 50 Gigawatt, das sich mit Photovoltaik sinnvoll ergänzen ließe.

 

Volker, vielen Dank für das Interview.

 

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